Zurück aus 3W

      Zurück aus 3W

      Herbert
      Bj. 1947
      1978 DD9BV
      1984 DH9BAB
      1991 DK2BR
      Ab 1991 mache ich ausschließlich Kurzwelle, mit dem Hauptaugenmerk auf IOTA
      .Bestätigt bislang 898 Gruppen.
      Aktiviert bislang AF-004,EU-014,EU-028,EU-029, EU-042,EU-047,EU-057,EU-172,OC-130,OC-235 und jetzt AS-130.
      Da die letzte Aktivierung im Jahr 2003 mit dem Call DU9/DK2BR doch schon einige Jahre zurück lag, juckte es leztes Jahr mal wieder so richtig.
      Nach langem Überlegen kam ich dann auf 3W und dort AS-130, Con Son Island.
      Vietnam ist flugtechnisch relativ schnell und preisgünstig zu erreichen.
      Con Son Island ist mit einem Bestätigungsprozentsatz von nur 18,6 % relativ stark gesucht von den IOTA - Sammlern, auch mit dem Flieger zu erreichen und mit ca. 5000 Einwohnern keine Diaspora.
      Noch eben schnell die Lizenz für 3W beantragen, und dann nichts wie hin, habe ich mir so gedacht.
      Damit begann der lange Weg der Suche.
      Recherche im Internet in den verschiedenen Foren ergab kein Ergebnis.
      DARC e.V. habe ich als EX Mitglied mal aussen vor gelassen.
      Den entscheidenden Hinweis habe ich dann von Jacek SP5APW bekommen, der auch schon von Con Son gefunkt hat.
      Von da an lief alles recht geschmeidig.
      Beste Reisezeit stellte sich als März/April heraus.
      Unterkunft über das Internet buchen war problemlos machbar.
      Flug erstmal nur bis Saigon buchen war angesagt, da ich ja noch die Lizenzurkunde in Saigaon abholen sollte.
      Reisepass beantragen und für die 4 Wochen beim Vietnamesischen Konsulat das Visum beantragen.
      Dann kamen die Überlegungen und Entscheidungen des Equipments.
      ICOM 706MKIIG, Netzteil, Digikeyer II, Notebook, Zusatzlüfter 12V für den 706, 10m Teleskopmast mit 56cm Packmaß, Vertikals für 10-40m, 2 X 50m RG 58, Werkzeug, Kabelbinder, usw, usw.
      Für RTTY und PSK wollte ich MMVARI mit dem Logprogramm benutzen.
      Für SSB habe ich mich für das N1MM entschieden.Ist in meinen Augen optimal für solch ein Event.
      Im Auge behalten mußte ich immer das Gewicht. 23 Kg für den Koffer und 5 KG fürs Handgepäck durften nicht überschritten werden.
      Die Airlines sind da wohl recht kompromisslos bei Übergewicht, und verlangen doch recht saftige Preise pro Kg.
      Zwischenzeitlich hatte ich auch Kontakt per Email zu meinem Kontaktmann in Vietnam.
      Antragsformular für die Gastlizenz hatte ich im Internet gefunden und auch ausgefüllt per email nach Vietnam geschickt.
      Die Gebühren für die Gastlizenz sind abhängig von der Dauer und den zu benutzenden Frequenzen.
      In meinem Fall für einen Monat und alle KW-Bänder 50.-USD, die im Voraus zu zahlen sind.
      Gastlizenz wird nicht per Post verschickt, sondern muss persönlich abgeholt werden.
      Wichtig ist die Vorlage des Reisepass. Nach meiner Erfahrung gibt es in Vietnam verschiedene Behörden für die Rufzeichendistrikte.
      Mein Wunschrufzeichen 3W2BR war machbar, da ich im Rufzeichendistrikt 2 funken wollte.
      Die entsprechende Behörde hat ihren Sitz in Saigon.
      Mein Funkfreund in Saigon hatte mir geschrieben, komme nach Saigon und besuche mich in meinem Haus, ich bringe dich zur Behörde und du bekommst deine Gastlizenz mit 3W2BR.
      Große Worte.
      Ob das wirklich so klappen würde ?
      Noch ein Gesundheitscheck beim Hausarzt, die wirklich wichtigen Impfungen kontrolliert und aufgefrischt.Zahnarzttermin gemacht und alles noch mal durchgecheckt.
      Koffer wird gepackt und gewogen.
      Überflüssiges wird wieder rausgenommen.
      Reiseapotheke wird nach Rücksprache mit meinem Freund, der Arzt ist, aufgefüllt.
      Medikamente für die 4 Wochen gecheckt.
      Handgepäck (bei mir 5Kg zulässig) gepackt.IC 706MKIIG, Notebook, Ersatzsmartphone, und ein wenig Krimskram.
      Schreck lass nach.Zu schwer.No Risk no Fun. Gehe das Risiko ein, nicht gewogen zu werden.
      Geht auch bei allen Kontrollen gut.
      Notebook und Icom wurden bei allen Kontrollen besonders gecheckt und auf Sprengstoff untersucht.
      Nervösität steigt langsam, es muss nun endlich losgehen.
      425DX hat die Aktivität von AS-130 inzwischen veröffentlicht.
      Andere DX Blätter sind auf den Zug aufgesprungen.
      Inzwischen trudeln auch relativ viele Anfragen nach einem Skeed per email ein.
      Auffallend ist der hohe Anteil aus USA.
      Wie darauf eingehen ?
      Habe ja keinerlei Aussagen zu den Ausbreitungsbedingungen.
      Verweise daher immer auf das Cluster.
      Habe alle Papier beieinander.
      Nur die Gastlizenz fehlt noch.
      Die soll es ja erst in Saigon geben.
      Habe ja ein wenig „Magenschmerzen“ dabei.
      Aber da muss ich jetzt durch.
      Montag 07.MärzGroße Verabschiedung zuhause.
      Zugfahrt nach Hamburg, dann mit der S1 zum Airport, Einchecken mit allen Sicherheitskontrollen. Abflug nach Amsterdam mit leichter Verspätung, da Koffer an Bord sind , aber die dazugehörenden Passagiere fehlen.
      Flug von Amsterdam nach Guangzhou ( 50 Km nördlich HongKong) dauert 11 Stunden und verläuft ohne Stress.
      Dienstag 08. März
      Nach ca. 3 Stunden Aufenthalt in Guangzhou dann der Weiterflug nach Saigon.
      Ankunft dort gegen 9 Uhr Ortszeit.
      Auf dem Airport noch schnell Euro in VND gewechselt.
      Da wird man schnell zum Millionär.100 € sind rund 2.400.000.- VND. Supergefühl.
      Neben der Wechselstube noch ne Vietnamesische SIM Karte für das Smartphone gekauft. Geht echt easy und ist preiswert.
      Ach du Schande. Das Gepäcktransportband ist leer.
      Ein Schild beordert Mr. Herbert Schwabe zum Schalter Lost Baggage.
      Warum ich ???
      Der Koffer ist weg !
      Vielleicht ist er lt. Aussage der Mitarbeiterin nur mal eben nach KualaLumpur fehlgeleitet worden.
      Wenn dem so ist, ist das alles kein Problem.
      Kommt dann am nächsten oder übernächsten Tag von dort nach Saigon.Sagt die Mitarbeiterin !!
      Nun habe ich das Notebook und den Icom , aber alles andere ist ja im Koffer.
      Herbert bleib ganz ruhig, sagt eine innere Stimme immer wieder zu mir.
      Muss dort noch alle Adressen auf einem besonderen Formular hinterlegen.
      Nun aber raus aus dem Airport in die Hitze und den Verkehr von Saigon.
      Taxi geordert um meinen Funkfreund zu besuchen.
      Smartphone macht sich immer wieder bezahlt.
      Google Maps und andere Anwendungen sind dort auch gut zu gebrauchen.
      Alle wichtigen Adressen sind dort natürlich genauso gespeichert, wie auch alle Bilder von den wichtigen Dokumenten.
      Taxifahrer ist super, findet die angegebene Adresse ohne Umwege und auf Anhieb in der 8,5 Millionen Metropole.
      Bei meinem Funkfreund werde ich herzlich willkommen geheissen und darf erstmal einen bitteren kalten Tee schlürfen.
      Gastgeschenke kann ich nur einen Teil überreichen, der andere Teil ist im Koffer.
      Mir wird sofort eine Ersatzausrüstung für die Zeit auf der Insel angeboten.
      Aber erstmal zur Behörde.
      Taxifahrt dauert ca. 20 Minuten.
      Das Ausstellen der Gastlizenz dauert geschätze 10 Minuten.Call ist wie versprochen 3W2BR.
      Na super. Die „Magenschmerzen“ waren umsonst.
      Noch ein wenig mit der Familie geplaudert und dann ab ins gebuchte Hotel in der Nähe des Airport.
      An einer Streetkitchen noch ein wenig Nahrung und ein Bier aufgenommen.
      Lecker.Temperaturen lagen da schon deutlich über 30 Grad.
      Im Hotel werde ich um Mitternacht geweckt.
      Der Koffer ist da. Hurra .
      Jetzt geht alles wieder seinen geplanten Gang.
      Mittwoch 09.März
      Frühstück mit leckerem Vietnamesischem Kaffee, und dann zum Airport den Flug nach Con Son Island buchen.
      Preis liegt bei 68.-€ und die Flugzeit bei 1,5 Stunden.
      Die Unterkunft auf Con Son entspricht genau meinen Erwartungen.
      Nurdachhütte mit Toilettenraum und Dusche.
      Liegt im Schatten von Palmen und Pinien.
      50m bis zum Strand.
      Supernettes Personal mit rudimentären Englischkenntnissen.
      Kühlschrank und Airkondition funktionieren.
      Station und Antenne aufgebaut.
      Die Bänder sind tod.
      Tagsüber hin und wieder einige Verbindungen nach YB und JA auf 15m.
      Öffnungen nach SA/NA so gut wie Null
      Öffnungen nach EU meistens so für eine max. zwei Stunden gegen 15- 17 UTC.
      Insgesamt gesehen war die Reise von der funkerischen Seite ein Reinfall.
      Die Ausbreitungsbedingungen waren total daneben.
      Am 24.März habe ich nach 896 QSO QRT gemacht und bin wieder aufs Festland geflogen.
      Betriebsarten waren SSB und RTTY.
      Bis dahin habe ich aber die Insel tagsüber erkunden können.
      Habe nur freundliche Menschen getroffen und unwahrscheinlich viel gesehen.
      Die Insel war bis 1975 noch eine Gefangeneninsel.
      Gefängnisse sind heute noch zu besichtigen.
      Die Gefangenen wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen gequält.
      Geschätzt, genaue Zahlen kennt niemand, starben dort 20.000 Gefangene.
      Der Friedhof und die Gefängnisse sind heute ein Mahnmal.
      In den 10 Tagen auf dem Festland habe ich dann noch Saigon und Umgebung erkundet.
      Das Mekong Delta hat mir ein gecharterter Führer in 2 Tagen gezeigt.
      Die Zeit war viel zu kurz um das alles richtig aufzunehmen.
      Vietnam ist eine Reise wert, oder doch vielleicht eine zweite Reise.
      Es gibt da noch AS-162
      Nur freundliche, hilfsbereite Menschen.
      Leckeres Essen.
      Niedrige Lebenshaltungskosten.
      Preiswerte Unterkünfte und Hotels.
      Gutes Wetter, zeitweise grenzwertig.