Der Graus vor dem Mikrofon

      Der Graus vor dem Mikrofon

      auf >Anton< wurde geschrieben:




      Wenn ich ein Occasion Funkgerät erstehe, werfe ich zuerst mal das Mikrofon weg. Eigentlich müsste ich es beim Verkäufer zurücklassen, aber ich möchte ihm nicht zu nahe treten. So nehme ich es höflich mit und entsorge es im nächstbesten Abfallcontainer für Elektronikschrott.
      Denn mich graust vor gebrauchten Mikrofonen. Wenn ich mir vorstelle, dass ganze Bakterienkolonien dort ein neues Zuhause gefunden haben, zwischen den Essensresten  von unzähligen Mahlzeiten und dem feuchten Nachlass vieler Five-Nine, so wird mir übel.

      Natürlich ist auch das Mikrofon meiner Neuerwerbung sofort in den Abfall gewandert (Sri Martin). Neue Mikrofone gibt's auf Ebay ja zu Hauf und kosten tun sie fast nix. Das bewährte ICOM HM-36 zum Beispiel gibt's in China ab 12$, Shipping inklusive. Es passt übrigens auf die meisten ICOM-Transceiver mit 8-Pol Rundstecker, von den Geräten aus den frühen Neunzigern bis zum neuen IC-7300.  Natürlich ist umgekehrt auch das HM-219 des IC-7300 abwärtskompatibel.
      Auch die Yaesu-Mikrophöner sind vielfach kompatibel.

      Als Mikrophobiker ist für mich das Wegwerfen des Mikrofons nicht die einzige Aktion beim Kauf eines alten Geräts.
      Kaum zu Hause, werden alle Knöpfe abmontiert und in die Geschirrwaschmaschine gesteckt. Die gleiche Behandlung kriegt auch die Frontplatte. Natürlich bei verträglichen Temperaturen, ich will ja kein Schrumpfgerät.

      Dann geht es an die Innereien. Viele OM haben ihr Gerät nie aufgemacht und sie können sich gar nicht vorstellen, wer alles in ihrem Transceiver haust. Doch die Spinnen sind nur das kleinste Problem. Es ist der Staub, der auf den Leiterplatten sitzt, die Elektronik irritiert und den Ventilator verstopft.
      Doch Vorsicht mit dem Staubsauger und dem Pinsel: wenn ESD ins Spiel kommt, ist die Kiste futsch und wird zu einem Fubar.

      Apropos futsch: Wer eine Occasion kauft, tut gut daran, das Teil auf Null abzuschreiben, sobald das Geld die Hand gewechselt hat. Steigt ein 20-jähriges Spezialteil aus, das nirgendwo mehr erhältlich ist, bleibt einem nur noch der Kannibalismus. Das heißt, man schlachtet das Gerät aus und versucht die Einzelteile auf Ebay zu verkaufen, um so noch einen Bruchteil des Kaufpreises wieder reinzuholen.

      Geräte von OM, die im Shack rauchen, sind für mich ein No-Go. Man erkennt sie am gelblichen Belag auf Anzeige und S-Meter und dem typischen Aschenbecher-Geruch. Innendrin sehen sie aus wie die Lunge eines Kettenrauchers.



      Nach der Reinigung des neuen Alten kommt die elektrische Renaissance. Das geht freilich nicht ohne Service Manual und Messpark. Wenn das Gerät jedoch gut läuft, ist es aber besser, die Finger davon zu lassen. Never touch a running system! Früher habe ich mich immer durch das ganze Abgleichprotokoll durchgearbeitet, heute messe ich nur noch die wichtigsten Parameter und justiere die Frequenz des Referenzoszillators.

      Wer als Schweizer ein Funkgerät - ob neu oder alt - im Ausland kauft, für den hält unser BAKOM ein paar Ratschläge parat. Interessant, dass sich das Amt an der Zukunftstrasse in Biel nicht um das CE Zeichen kümmert. Was zählt, ist die so genannte Schnittstellenanforderung.
      Ein Begriff aus der technischen Beamtensprache, der mich immer schmunzeln lässt. Meine Zwickzange weiß genau, wo die Schnittstellen meiner Geräte sind ;)

      Bild ganz oben: Carpaccio, definitiv kein Veggie-Teller ;-)
      Bild Mitte: Brissago

      OT aber topaktuell (Triggerwarnung: nicht PK)




       
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